Reinhard Rauball: „Gesellschaftliche Fehlentwicklungen“

Am Dienstagabend war Dr. Reinhard Rauball, seit 2004 zum dritten Mal Präsident von Borussia Dortmund und seit 2007 Präsident der DFL, Zeuge der Krawalle der Dynamo-Fans. Im Interview mit der Süddeutschen Zeitung spricht er über sein Verhältnis zur Ultras-Szene und Lösungsansätze der Gewalt im Stadion vorzubeugen.

Dreimal musste das Zweitrundenspiel zwischen Borussia Dortmund und Dynamo Dresden unterbrochen werden. Von der Tribüne aus musste DFL-Präsident Dr. Reinhard Rauball mit ansehen wie „Ordner direkt vor dem Block der Dresdner Fans mit großen Böllern beworfen“ und „brennende Pyros in den Fünfmeterraum geworfen“ wurden. Besonders erschüttert zeigte er sich über die Ausmaße der Randale: „Ich war aber dann vor allem überrascht über die Brutalität, die nun offenbar auch in die Stadien zurückkehrt. Bisher fanden diese Probleme ja vor den Stadien und im Umfeld statt.“ Eine neue Qualität hätte es auch, dass 4500 Dynamo-Fans beteiligt waren. „Auch wenn darunter sicher viele Trittbrettfahrer waren, als vor dem Spiel die Stadiontore zur Nordtribüne gestürmt werden sollten.“

Bereits nach dem Spiel machte Rauball auf den Ernst der Lage aufmerksam und verwies darauf, dass man diese Aktionen nicht nur auf ein paar Idioten reduzieren dürfte. Am 14. November werde es „einen Runden Tisch mit dem Bundesinnenminister, den Landesinnenministern und der Polizei“ geben um an Lösungen zu arbeiten. „Letztlich“, fuhr Der 64-Jährige fort, „wird es aber nur so gehen, dass die anständigen Fans die Randale-Macher auch selbst ausgrenzen.“ Eine Reduzierung der Auswärtskontingente bis hin zum kompletten Ausschluss von Gästefans seien denkbare Möglichkeiten. Frankfurts Vorstandsboss Heribert Bruchhagen schlug bereits das Reduzieren der Ticketkontingente für Ultra-Fans als konkrete Maßnahme vor.

Angesprochen auf die kürzlich stattgefundenen Ausschreitungen in Hannover und Frankfurt meinte Rauball: „Da muss man auf gesellschaftliche Fehlentwicklungen der letzten Jahre blicken. Vielleicht haben wir in unserer Gesellschaft zu sehr auf die falschen Propheten gehört. Die persönlichen Freiheiten standen bei uns jahrzehntelang im Mittelpunkt der Werte - nicht aber Anstand, Respekt vor anderen und das Recht auf körperliche Unversehrtheit. Da lief die gesellschaftliche Wertediskussion in die falsche Richtung.“

Zum vollständigen Interview.

axl, am 28.10.2011 11:28:37 Uhr

0 Reaktionen zu dieser Nachricht
  • axl, am 28.10.2011 11:34:39 Uhr

    Am Dienstagabend war Dr. Reinhard Rauball, seit 2004 zum dritten Mal Präsident von Borussia Dortmund und seit 2007 Präsident der DFL, Zeuge der Krawalle der Dynamo-Fans. Im Interview mit der Süddeutschen Zeitung spricht er über sein Verhältnis zur Ultras-Szene und Lösungsansätze der Gewalt im Stadion vorzubeugen. zur News

weitere Kommentare lesen   Nachricht kommentieren